Sprache des Denkens

Das Bewusstsein entspricht einer Lesehilfe beim Bücherlesen, die beim Lesen das Buch umschreibt.

Das Bewusstsein eines Individuums fügt eine Assoziation zwischen zwei Konten hinzu. Auge und Hand symbolisieren Sensorik und Aktorik des Individuums. Die Aktorik erzeugt auch Sätze in der gesprochenen Sprache 𝔹’, welche zuvor im Bewusstsein in Sprache 𝔹 zurecht gelegt wird. Die gestrichelten Pfeile stellen die Aufmerksamkeit dar. Der durchgezogene Pfeil vom Bewusstsein zu einer Assoziation ist die Erzeugung einer Assoziation. Umwelt, Gewichtung der Assoziationen und Benennungen der Knoten wurden zwecks Vereinfachung weggelassen.

Damit zwei Phänomene assoziiert werden können, müssen sie zunächst in den Fokus rücken. Das Bewusstsein ist dann in der Lage, eine Assoziation anzulegen. Die zeitlich sequenzelle Sprache 𝔾 beschreibt diese Veränderungen an den Assoziationen. 𝔾 ist die Sprache des Denkens.

Worte des Denkens

Mit der Darstellung oben wird deutlich: Der menschliche Denkapparat arbeitet wie eine Turingmaschine.

Turingmaschine. (GNU-FDL, von de:Benutzer:Denniss)

Sie schreibt nicht auf einem Band sondern auf einem Hypergraphen mit benannten Kanten und Knoten. Assoziationen sind Kanten dieses Hypergraphen und mit einer Gewichtung versehen, die bei jedem Zugriff (Feuern) angehoben wird und ansonsten zerfällt. Diese Gewichtung entspricht der Stärke von Assoziationen, die die Übergangswahrscheinlichkeit der Aufmerksamkeit von einem Knoten zum nächsten erhöht. Knoten entsprechen Phänomenen.

So entsteht schon durch reines Beobachten sowohl eine sehr persönliche Ontologie als auch ein Denkmuster, denn auch Denkrythmen und -rationalitäten sind in derselben Ontologie enthalten; selbst wenn (fast) alle Phänomene noch mit dem Leeren Wort benannt worden ist, wie bei Tieren der Fall ist.

Das Leere Wort hindert verständige Menschen daran, Phänomene zu benennen, die sie nur mit Begriffen beschreiben können, die wiederum nur mit dem Leeren Wort benannt worden sind.

Die chronologisch geordnete Menge aller Theorien stellt bloß ein Benennungsprozess; einen Konsolidierungsprozess dar; eine Konsensfindung für den Hypergraphen der Leute, den letztlich Neugeborene übernehmen sollen.

Grammatik des Denkens

Kombinatorisch ergibt sich eine (exakt!) unvorstellbare Menge von Regeln, nach denen G umgeformt werden kann. Hiesige Erläuterungen zur Grammatik sollen vorerst genügen. Sie sprengen sonst den Rahmen.

Eine Umformungsregel des Hypergraphen G=(N, N⨯N) mit den Knoten N ist von der Form U := V, wobei U⊂G ein Suchmuster (Teilgraph von G) ist und V⊂G das Ersetzungsmuster (ebenfalls Teilgraph von G).

Eine Menge von Umformungsregeln könnte man auch Paradigma nennen. Sie beschreibt eine Ansicht, einen Aspekt, eine Sichtweise, eine Weltanschauung — es kann sich auch einfach um die Satzstruktur der eigenen Muttersprache handeln, die eine Gedanken vollziehende Veränderung nach sich zieht. In sehr vielen Sprachen werden Sätze aus einem Vektor (Subjekt, Prädikat, Objekt) erzeugt. U könnte also {({“Hund”}, “beißt in”, {“Ball”})} lauten. Ein passendes V wäre {({“Ball”}, σ, {“Gefahr”})}. Die Bedeutung von σ erkläre ich später.

{({“Hund”}, “beißt in”, {“Ball”})} := {({“Hund”}, “beißt in”, {“Ball”}), ({“Ball”}, σ, {“Gefahr”})}

Bei Anwendung dieser Umformungsregel auf einen Graphen G, in dem die Assoziation {({“Hund”}, “beißt in”, {“Ball”})} auftritt, bekommt G eine zusätzliche Assoziation {({“Ball”}, σ, {“Gefahr”})}.

Aus Erfahrung lässt sich V verallgemeinern in “Alles, was von einem Hund gebissen wird, ist in Gefahr”:

∀x: {({“Hund”}, “beißt in”, x)} := {({“Hund”}, “beißt in”, x), (x, σ, {“Gefahr”})}

Gleichzeitig existiert eine kompliziertere Umformungsregel:

∀x: {({“Hund”}, “beißt in”, x)} := {({“Hund”}, “beißt in”, x), (x, σ, {“in Hör- und Sichtweite”}), (x, σ, {“rund und prall”}), ({“in Hör- und Sichtweite”, “rund und prall”}, erzeugt, {“Knall”})}

Da es folgende Assoziation schon gibt, gehen die Arme nach oben und bedecken die Ohren sobald der Hund zubeißt:

∀x: {(x, “erzeugt”, {“Knall”})} := {(Meine Ohren, σ, {“in Gefahr”})}
{(Meine Ohren, σ, {“in Gefahr”})} := Ohrschutzbewegung

Meine Ohren und Ohrschutzbewegung fassen eine Menge von Assoziationen in jeweils einer Variablen zusammen.

Die Sprache des Denkens beschränkt sich nicht nur auf physische Phänomene und Handlungen. Oben genanntes σ hat beispielsweise starke Assoziationen zu den Wortgruppen der deutschen Sprache “befindet sich in”, “ist”, “hat den Zustand” und “ist situiert in”. Um mich für eine Wortgruppe zu entscheiden, muss ich mich auf die Suche mit der Sprache des Denkens begeben. Welche der Wortgruppen ist üblich? Welche reimt sich? Welche ist unmissverständlich? Um mich nicht zu blamieren ist, hierbei ein situativer Kontext zu berücksichtigen, der in den jeweiligen Umformungsregeln ebenfalls auf der linken Seite des Ersetzungsmusters steht; aber immer wieder mit sich selbst ersetzt wird, falls sich der Kontext nicht erfahrungsgemäß durch die Anwendung einer Regel ändert.

Beobachtung des Denkens

Der Lese-/Schreibkopf der menschlichen Turingmaschine kann sich durch Kraft der Gedanken nicht selbst bearbeiten. Wie oben angedeutet, hängen die Umformungsregeln von bereits gemachten Erfahrungen ab. Allein Erfahrungen haben vermutlich die Kraft, neue Umformungsregeln zu erzeugen. Wer weiß — vermutlich liegen die Umformungsregeln selbst wiederum als Assozitationen vor? Eine direkte Beobachtung des Bewusstseins durch sich selbst ist unmöglich, es beinhaltet eine exakt unvorstellbare Menge von Umformungsregeln.

Sehr wohl kann das Bewusstsein jedoch seine Tätigkeit in Form von Hypergraph-Auschnittskopien mehrerer, mit einander verketteter Zeitscheiben protokollieren und sich an diese erinnern um sie schließlich zu interpretieren und über sein Denken nachzudenken.

Wird der Protokollumfang kurz gehalten und das Bewusstsein für einige Zeit auf das Protokoll gelenkt, so wird meditiert. Meditation führt dazu, dass all das zerfällt, das nicht mit der Protokollierung und der Aufmerksamkeit auf das Protokoll assoziiert ist. Meditation lässt die vagen Assoziationen zerfallen während die wichtigen gestärkt werden: die des Bewusstseins.

Dieser Vorgang ist jedoch nie perfekt. Es kann als Schutzmechanismus angesehen werden, dass der Zerfall nichtreferenzierter Knoten langsam verläuft und dass die Aufmerksamkeit Sprünge vollzieht, die die perfekte Meditation unterbrechen.

Denken im Schlaf

Im Schlaf ist ein Traum Neuronalnetzkonsolidierung. Dabei findet Termersetzung statt. Auch der Wachzustand restrukturiert permanent Neuronennetzwerke. Das entspricht gleichzeitig einer Termersetzung, die Netzwerke als Terme behandelt. Zusammenfassungen wie Träumen (Konsolidierung) schaffen Platz für den nächsten Tag und werfen Unstimmigkeiten über Bord, solange die Zeit dafür ausreicht. Traumata sind langwierige und somit behindernde Träume.

Massive Online Multithinker Thinking

Der babylonische Verlust der universellen Sprache (wenn es sie je gab) wird zunehmend vernachlässigbar. Viele Europäer wachsen mehrsprachig auf. Imperien sorgen für eine vereinheitlichte Fremdsprachenausbildung. Mandarin als meistgesprochene Sprache wird mit dem Aufstieg Chinas in die Erste Welt immer wichtiger und rivalisiert als einzige (natürliche?) Sprache gegen das Englisch der derzeitigen Globalisten.

Technische und soziale Erleichterungen toleriert immer mehr Individuen mit gesteigerter Entropie im Denkapparat. Da die Gedanken immer seltener für das Überleben wichtig sind, bekommt Kreativität Spielraum, kann unsachlichen Assoziationen Raum zugestanden werden, kann eine Vielfalt der Gedanken sich entfalten.

The Great Acceleration. @Pop_Stop_2100

Durch Energieverbrauch und den Zerfall ungenutzter Assoziationen erfüllt der die Sprache des Denkens das Gesetz der Entropieerhaltung. Die Entropieerhaltung hat wiederum zur Folge, dass mit dem Anstieg der kommunikativen, denkenden Population, andere dem das Individuum das Denken abnehmen und/oder mitdenken. Die Menschheit steckt immer mehr Arbeit in ein verteiltes Denken, indem Wohlstand für mehr Unabhängigkeit gefördert und Technik für die Kommunikation zur Verfügung gestellt wird. Immer mehr Wissen wird benennbar, steht also dem Bewusstsein zur Verfügung wobei gleichzeitig die beobachtbaren Phänomene immer gründlicher jeder Denkenden nahegebracht werden.

Die starke Individualisierung von Ontologien wirkt allerdings dem Trend zur universellen Sprache entgegen. So entwickeln sich Fachsprachen, Jugendsprachen, Sprachregelungen, Dialekte, Tribalisierungen und granulare Gesellschaften. Gleich zu denken bleibt unmöglich, solange nicht über das Denken, über Paradigmen, gesprochen wird.

Diskussion

Siehe Twitter-Thread.

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Heinz von Foerster – Eine Theorie von Lernen und Wissen

Eine Transkription einer 44 minütigen Rede. “[???]” markiert Unverständlichkeiten. Es geht los:

Ja, meine Damen und Herren, nach dieser Einleitung werde ich es sehr schwer haben, mich bemerkbar machen zu können!

Ich bin so froh, wieder in Heidelberg sein zu können. Äh, das letzte mal, wie ich hier war, war es eine eher traurige Gelegenheit. Es war eine große Konferenz, ein großer Kongress, der war dem Abschied der großen Idee – der großen Entwicklung – gewittmet und alle, die wir hier waren, haben – äh – natürlich alle die entsprechende Leichenrede gesprochen. Diesmal jedoch, handele es sich jedoch darum, die Schule neu zu erfinden und wir alle sind hier her gekommen, um die Taufrede der neugeborenen Entwicklung in der Schule zu begrüßen. Und ich bin froh, einer dieser Taufredner sein zu können!

Eine der wesentlichen Ideen, die verbunden sind, mit der Idee, die Schule zu verlassen und durch das Tor der neuen zu treten. Der Titel, der eben gesagt worden ist, den habe ich eigenlich gewählt für eine Publikation, die ich gedacht hatte, sie heute erscheinen lassen zu können, aber sie ist nicht gekommen. Daher habe ich adoptiert diesen köstlichen Titel, den diese Organisation der Konferenz gegeben hat, nämlich “die Schule neu zu erfinden”. Um eine Kurzfassung dieses Titels zu geben, habe ich eine geschrieben, die wird aber nicht heute erscheinen, sondern erst mit meinem Buch; und da ist mein Programm folgendermaßen:

Vom Lehrer wird erwartet, dass er weiß, was er weiß, sonst könnte er nicht lehren. – Vom Forscher wird erwartet, dass er weiß, was er nicht weiß, sonst könnte er nicht nach Antworten suchen.

Im folgenden Vortrag werde ich versuchen, möchte ich vorschlagen, den Lehrer zum Forscher werden zu lassen, der zusammen mit seinen Schülern versucht, die Schule – ja, das Wissen – neu zu erfinden. Das ist mein Programm für den heutigen Morgen. Und diesen Vorgang, dieses Programm, möchte ich gerne in zwei Kapiteln erledigen, jedes davon etwa 20 Minuten, also insgesamt 40 Minuten. Das erste Kapitel wird theoretisch sein, und zwar eine Theorie des Wissbaren gegenüber des prinzipiell Unwissbaren – und die Konsequenzen einer solchen Theorie. Das zweite Kapitel, die anderen 22 Minuten, ist aus der Praxis. Und zwar möchte ich über ein Experiment berichten. Über ein Experiment, das so aufgebaut ist, dass man gegenüber dem Unwissbaren eine gewisse Wissbarkeit entwickeln kann und die Konsequenzen – ja, Resultate – dieses Experiments. Also auch zu versuchen, dieses in zwanzig Minuten zu erledigen.

Theoretischer Teil

Das erste Kapitel ist, wie schon gesagt, ist über prinzipiell unwissbares zu sprechen. Und Unwissbares hat zwei Komponenten:

Die eine Komponente ist, wenn ein System nicht analysierbar ist. Wir können mit der Sache arbeiten. Aber immer wissen wir nicht, immer wissen wir nicht, immer wissen wir nicht,… wie es eigentlich funktioniert – also, dass es prinzipiell unanalysierbar ist. Das zweite Abteilung von prinzipiell Unwissbarem ist “unentscheidbar”. (Es sind ein paar Worte über das Unentscheidbare.) Und wenn wir diesen Block der vollkommen Ignoranz (von uns) verstanden haben, kann ich aus dieser Nullstellung versuchen, zu entwickeln, was können können wir aus dieser Stellung der Ingoranz machen.

Meine Stellung der Ingoranz gegenüber ist, wenn ich in eine Klasse komme mit jungen Menschen und ich sage “Passt mal auf, ich weiß nicht, wie ein Elektromotor funktioniert. Können wir alle zusammen versuchen, herauszufinden, wie der geht?” Dann werden Sie sehen, werden die Kinder mit größter Begeisterung mir helfen, herauszufinden, wie dieser Motor geht. Wenn ich aber sage “Ich weiß, wie der Motor geht und ihr wisst es nicht!”, wäre der Satz zu blöd. “Ihr müsst das jetzt lernen!” Na sonst gehen die Kinder nach Hause und spielen Fußball!

Also, Ignoranz hat eine Stärke. Also ich will sagen, wer arbeiten will, wird zugeben, dass wir nicht wissen. [???] Arbeiten wir aus Stärke heraus! Und das was ich Ihnen erleichtern möchte ist, das Zugeben der Ignoranz. Ich werde Ihnen helfen, zu sehen, dass Sie wirklich fundamental Ignorant sind. Wir brauchen es noch nicht einmal zuzugeben, wir brauchen es nur zu sehen!

Okay, also. Die zwei Abteilungen des Unwissbaren: Nicht analysierbar, nicht entscheidbar mit wenigen Worten andeuten. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, warten Sie bis die Publikationen herauskommen! Wenn die mehreren Papiere, die bei der Konferenz präsentiert wurden, gedruckt wurden, können Sie Zeile für Zeile die Entwicklung des Arguments verfolgen. Ich kann Ihnen heute nur einen kurzen Überblick geben. Also.

Unanalysierbar

Es ist sooo simpel, wenn man es verstanden hat. Es ist wirklich komplett. Es gibt zwei Arten von Systemen in dieser Gruppe: Das eine nennt man triviale Systeme, das andere sind die sogenannten nichttrivialen Systeme.

Ein triviales System ist Ihr Automobil. Triviale Systeme haben die charmante Eigenschaft, dass wenn man immer die gleiche Eingabe gibt, kommt immer die selbe Antwort heraus. Also gleiche Eingaben bekommen immer die gleichen Ausgaben. Im Auto sind Sie drin. Drehen Sie das Steuerrad nach links: Auto fährt nach links. Drehen Sie das Steuerrad nach rechts: Auto fährt nach rechts.

Wenn Sie ein Auto kaufen, verlangen Sie von dem Verkäufer, dass er eine Trivialisationsgarantie gibt, dass in den nächsten 10 Jahren wirklich auch das Auto nach links fährt, wenn Sie das Steuerrad nach links drehen. Dann steigen Sie ins Auto ein, fahren gerade aus, drehen das Steuerrad nach links und es fährt nach rechts! Dann holen Sie einen Trivialisateur mit einer Zange und das Auto fährt wieder nach links und nach rechts.

Wir lieben diese trivialen Maschinen! Es geht ja sogar so weit, dass wir unsere Kinder, die ja sicher keine trivialen Maschinen sind, [fragen]: “Wieviel ist 2 mal ?” [Sagen sie]: “Grün!” Dann stecken wir sie in staatliche Trivialisationsanstalten, sodass sie nur “Vier!” sagen.

Jetzt zu den von mir so gern gehabten nichttrivialen Maschinen. Die haben die Eigenschaft, dass sie zwar völlig determiniert sind, also in sich alles … nach Regeln [abläuft]. Aber wenn wir diese Regeln nicht kennen, lässt sich zeigen, dass diese Regeln prinzipiell nicht herausfindbar sind! Also ein solches System ändert seine Regeln zum Beispiel – ach, Sie können sich selber Beispiele geben! Sicher hat jeder von Ihnen einen kleinen Taschenrechner. Der hat eine Wurzeltaste. Sie geben 100 ein, drücken die Wurzeltaste, kommt 10 heraus, geben 100 ein, drücken die Wurzeltaste, kommt wieder 10 heraus, et cetera, et cetera. Aber der Rechner kann so programmiert sein – um Sie zu ärgern, ja – dass wenn Sie einmal die Wurzel gemacht haben, tut er das nächste mal quadrieren! Wenn er das nächste mal quadriert hat, wird er das und das tun, … Und wenn Sie nicht wissen, wie das geht, kann ich Ihnen sagen, Sie bis zum Ende des Universums – wenn es je vorkommen sollte – Sie immer noch nicht wissen, wie dieser Wurzelrechner geht. Dann gehen Sie zum Verkäufer des Taschenrechners und sagen “Können Sie mir bitte diese Maschine trivialisieren?”

Wichtig ist, hier zu bestreben, dass solche Systeme, die mehrere innere Zustände haben, die wechseln können, prinzipiell analytisch nicht zugänglich sind! Nummer 1.

Unentscheidbar

Nummer2! Jetzt gibt es Systeme, die unentscheidbar sind. Das “Entscheidbar”, das Entscheidungsproblem, hat klassische Wurzeln. Schon die Griechen haben sich mit gewissen Problemen beschäftigt, wo sie sich gefragt haben, “Können diese Fragen, die wir hier stellen, entschieden werden oder nicht?” Das große klassische Beispiel, das immer angeführt wird, ist die Quadratur des Kreises.

Es ist nicht nur eine Metapher, sondern, man meint damit einen gegebenen Kreis, “Kann man mit einem Zirkel und einem Lineal ein flächengleiches Quadrat konstruieren?” Die griechischen Mathematiker haben sich hingesetzt, die mittelalterlichen kamen an mit Mathematikern, die Renaissance-Mathematiker haben sich hingesetzt, die heutigen Mathematiker haben sich hingesetzt: Sie sind nie auf eine Lösung gekommen. Ist das vielleicht ein prinzipiell unlösbares Problem?

Carl-Friedrich Gauß hat gezeigt, dass das in der Tat ein prinzipiell unlösbares Problem ist. Man kann nicht mit einem Zirkel und einem Lineal ein Quadrat aus einem gegebenen Kreis konstruieren. Nachdem dieser Beweis von Gauß so um die Wende des 18. Jh. geliefert worden ist, haben trotzdem viele Amateurmathematiker – oder auch berufliche – Lösungen des Problems eingeschickt. Eine Lösung nach der anderen. Die Leute, die professionellen Mathematiker, die mussten studieren, sind die Schritte alle korrekt? Bis sie endlich gefunden haben: Das ist der Schritt, der falsch ist. – Vielleicht nicht leicht vorzustellen. Darf ich Ihnen ein Parallelproblem vorschlagen?

Das Problem ist das folgende: Gegeben ist die Nummer 13. Ich gebe Ihnen nun die Erlaubnis, alle geraden Zahlen, die Sie sich ausdenken können – sie können 10 Billionen stellen haben, 5 stellen, 2000 Stellen – Sie nehmen diese geraden Zahlen und dürfen Sie beliebig addieren, subtrahieren, addieren, subtrahieren,… bis Sie endlich 13 gefunden haben als Resultat. Ich höre aus Ihrem freundlichen Lachen, dass Sie sehen, dieses Problem ist nicht schwierig. Es ist einfach nicht zu lösen! Weil mit Addition und Subtraktion von geraden Zahlen können Sie nur auf gerade Zahlen kommen und die Zahl 13 ist da leider nicht dabei!

Jetzt denken Sie an das folgende: Es gibt Leute, die schicken immer wieder ein, das: “Ich habe das 13er Problem gelöst. Sie müssen jetzt nur brav durch meine Schritte gehen.” Und da kriegen Sie Zahlen mit 22 Millionen Stellen, die werden addiert und subtrahiert und addiert … Zum Schluss kommt 13 heraus. Was machen Sie da? Schicken Sie ihm das Papier zurück mit einem Stempel “Lern’ doch endlich Arithmetik!?” Oder gehen Sie Schritt für Schritt und Schritt und Schritt,.. durch das Ganze durch bis “6 weniger 4 ist 2”, nicht 3. Also wenn Sie das erwischen, dann haben Sie das Argument ihres Partners – äh – zerstört. Was macht man mit diesen Menschen, die das immer noch tun?

Ich sage das deswegen, weil, wenn auch es völlig klar ist, dass gewisse Systeme nicht analysierbar sind, gibt es immer noch Leute, die Ihnen sagen: “Ich werde Ihnen das analysieren!” Was macht man mit denen? Versucht man sie zu überreden? Schickt man sie zu einem Kurs für nichtanalysierbare Systeme? Ich überlasse das Ihnen! Es ist ein interessantes strukturologisches [???] Problem. Okay. Jetzt gibt es aber unter den Entscheidungsfragen solche, die prinzipiell unentscheidbar sind und ich gebe Ihnen ein Beispiel: “Wie ist das Universum entstanden?”

Kein Mensch weiß das! Absolut unmöglich. Aber was wissen Sie? Es gibt so viele Antworten, nicht? Wenn Sie zu einem Physiker gehen, sagt er: “Jeder Mensch weiß doch, der Physik studiert hat, Bigbang, 10 Millionen Jahre und Bang! das Universum war da!” Gehen Sie zu einem religiösen Menschen, sagt er: “Jeder Mensch weiß doch, der in die Schule gegangen ist, es hat 6 Tage gebraucht und der Schöpfer am siebenten Tag war so müde, dass er sich ausruhen musste.” Et cetera, et cetera. Oder wenn Sie zu Indern kommen: “Jedes Kind weiß doch, da ist eine Schildkröte und da sitzt eine zweite Schildkröte drüber und die trägt die vierte, fünfte, sechste.. und oben auf der letzten Schildkröte da sitzen wir.” – Also wo bringt mich das jetzt hin?

Mein Vorschlag ist: Fragen Sie ihre Freunde prinzipiell unentscheidbare Fragen, dann werden Sie nichts über eine Antwort auf die Frage erfahren. Sie werden etwas über den Antworter erfahren! Wenn Sie jemanden fragen: “Sag Mensch, wie ist das Universum entstanden?” Sagt er “Big Bang!”, dann ist doch ganz klar: “Aha, danke, du bist ein Physiker!” – Oder so: “Schildkröten” – “Ahh, du bist also Inder!”

Et cetera, et cetera. Ich könnte sehr schnell herausfinden, wie wer ist – wer wer ist, wenn der eine prinzipiell unentscheidbare Frage beantwortet. Denn nur die prinzipiell unentscheidbaren Fragen können wir entscheiden! Wieso? Weil prinzipiell unentscheidbare Fragen haben keine Logik, keinen Zwang, der mich zwingt, mich so oder so zu entscheiden. Nur entscheidbare Fragen haben diese Eigenschaft. Aber nicht prinzipiell unentscheidbare Fragen. Da haben Sie die Freiheit, zu entscheiden wie Sie wollen! Aber mit dieser Freiheit kommt eine Verantwortung hinein, das heißt, Sie müssen für Ihre Entscheidung Verantwortung übernehmen!

Ende der theoretischen Ausführung. Ich komme jetzt zur Praxis, zu dem praktischen Problem.

Praktischer Teil

Was bedeuten diese Beobachtungen, die ich gerade berichtet habe, nämlich Unanalysierbarkeit, Unentscheidbarkeit. Was bedeuten die, wenn wir jetzt die Schule neu erfinden? Wie beeinflusst mich das bei ‘nem Lehrplan – ich würde das einen Lernplan nennen – wie beeinflussen mich diese Überlegunen in der Konstruktion einer neuen Schule?

Ich komme also jetzt zu einem Praktischen Teil und möchte Ihnen einen sehr persönlichen Bericht geben: Ich selber bin ja nicht als ein Lehrer erzogen worden, hab keine Lehrerseminare gehabt, hab keine Ahnung, was ein professioneller Lehrer weiß, kann, tut, wenn er jetzt der Schule, den Kindern in der Schule gegenübertritt. Ich bin durch eine Serie von komischen Zufällen plötzlich in die Situation eines Lehrers gekommen. Ich hab damit überhaupt nicht gewusst, wie ich das behandeln soll. Die Geschichte war so:

[Es gibt] einen sehr lieben Freund, einen Professor für Musik, ein Komponist am Set [???] von Illinois und wir gehen jedes Jahr spazieren und suchen nach Talenten von jungen Menschen die wir dann einladen in sein Labor. Er hat das Musiklaboratorium gehabt und ich hab das biologische Computerlaboratorium gehabt. Waren lustige Leute dabei, die da mitspielten.

Und da veranstaltet die Universität jedes Jahr ein großes Fest der Studenten. Und da haben sie Bühnen, Schaubühnen. Da haben sie Tänze und lustige Vorstellungen und so weiter. Und da wandern wir da durch. Plötzlich kommt da ein großer, wunderschöner, blonder Riese auf mich zu mit einem solchen [grimmigen] Gesicht, nimmt mich hier beim Knopfloch und sagt: “Würden Sie einen Kurs in Heuristik unterrichten?”
“Ähm… äh..”, sage ich, “Heuristik in was für einem Sinn? Im Sinn, äh, wie Schüler so dasitzen und ihre Lösungen selber finden, oder in dem Sinne wie die Mathematiker es gebrauchen, Lösungsstrategien für gewisse mathematische Probleme…?”
Schaut der mich an: “Beides!”
Wende ich mich an meinen Freund Herbert Brühn und sag’: “Herbert, würdest du mit mir einen Kurs über Heuristik halten?”
“Endlich einmal ein Kurs, der von den Studenten eingefordert wird und nicht von den Lehrern! Selbstverständlich mach ich mit dir einen Kurs über Heuristik!”
Sage ich dem jungen Mann: “Kommen Sie zu mir den nächsten Morgen und da besprechen wir dann die Formalitäten der Einführung eines solchen Kurses!”

Also dem ist alles heruntergefallen.

Den nächsten Tag war er bei mir im Office: “Über ein Jahr habe ich versucht, in allen Ebenen dieser Universität zu Maschine [???], vom Rektor hinunter von Dekan zu Dekan,… Woimmer ich hingekommen bin haben die mich hinausgeschmissen.”
Ich sag:”Na kommt drauf an, wie man’s präsentiert, nicht?”
Der hatte mich doch beim Knopfloch gepackt, was sollte ich schon sagen?

Also wär der Heuristikkurs [???] eingeführt und wenn ich kurz vorlese, was wir für ein Programm gehabt haben? Das Programm hat sich im wesentlichen darum gehandelt, was eben als “die Problematik des Problems” verstanden wird. Um was handelt es sich, wenn wir ein Problem haben? Unter welchen Bedingungen sagen wir: “Wir haben eine Lösung des Problems?” Oder haben wir eine Lösung des Problems verschwendet? Oder wer ist das Problem in einem Problem? Et cetera, et cetera. Also ich würde sagen, wir haben Heuristik so behandelt, als ob es eine Problematologie wäre, eine Theorie des Problemstellens, -Verstehens, -Interpretierens und -Auflösens. In dem ersten ging’s um – organisiert für 50 junge Menschen, das war im Jahre […] 1968 […] und etwa 50 Studenten kamen und das erste Semester ist wunderbar gegangen, denn ich und mein Freund Herbert Brühn haben außerordentlich interessante Gastprofessoren gehabt!

Ich hatte für eine größere Zeit den Humberto Maturana bei mir als Neuro-Anutoren [???]. Dem Humberto habe ich gesagt: “Jetzt redest du mit den Kindern über: Was sind die Probleme in der Neuroanatomie, in der Neurophysiologie, in der Epistemologie, die sich mit Neurologie beschäftigt?” Nun, das war eine fantastische Rede! Wir haben einmal einen Nobelpreisträger gehabt, den Hayek, den Friedrich Hayek. Hayek hatte über die ungelösten Probleme der Ökonomie gesprochen. Und da haben die Studenten ihn so gezwickt mit ökonomischen Fragen, dass er gesagt hat: “Mir ist es.. Zum ersten Mal habe ich zu schwitzen angefangen, wie mich die Studenten da gezwickt haben!” Na, das war zum Beispiel sehr interessant!

Nun, dieser Kurs war also fabelhaft! Ich habe so viel dabei gelernt! Die Studenten haben gesagt: “Jetzt noch mal! Das nächste Jahr eine Fortsetzung!” Wir haben eine Fortsetzung gemacht. Das nächste Jahr waren das ungefähr 70 Studenten. Und dann ist Herbert Brühn zum Particle [???] gegangen. Von den Studenten haben einige graduiert, sind Doktoren gewesen, sind schon in den Beruf gegangen. Ich war also völlig allein mit dem großen […???] Und trotzdem haben ein paar junge Leute gesagt: “Wir müssen Heuristikkurs im Herbstsemester weitermachen. Wir müssen! Bitte! Heinz, tu doch was!”
Okay, ich hab geschrieben: “Den ersten Tag treffen wir uns und zwar in dem und dem Zimmer in dem und dem Institut.”

Ich versuche in dieses Zimmer zu kommen. Ich konnte nicht in dieses Zimmer hinein! Also, irgendeine Revolution war los! Überall sind Studenten gestanden! Endlich frage ich einen: “Was ist los? Warum stehen Sie da alle herum?”
“Wir wollen uns in den Heuristikkurs einschreiben.”
Da waren es hundertsechzig Studenten, die auf mich gewartet haben, dass ich jetzt allein einen Heuristikkurs machen sollte.

Schnell denken! Also blitzartig denken! Ich habe gesagt: “Also alles kommt in das große Auditorium!” Dann haben wir das Auditorium gefunden. Ich habe 5 Minuten Zeit gehabt. Beim hingehen: Was kann ich mit denen machen?? Wie ich da ankomme, sage ich: “Also passt doch mal auf, meine Damen und Herren. Bin sehr froh, dass ihr da seid, denn in diesem Jahr schreiben wir ein Buch! Und ihr seid die Verfasser, die Verleger und die Produzenten!”

Experiment

“Wer würde gerne die Organisation unserer Buchschreibe übernehmen? Na, wer? Wer? Wer? – Ah, Sie. Kommen Sie rauf, kommen Sie rauf, kommen Sie rauf. – Wer würde dies und das machen?” Innerhalb weniger Sekunden habe ich 10 oder 15 junge Männer und Frauen vor mir gehabt und dann habe ich gesagt: “Okay, jetzt fangt an, die Sache vorzubereiten! Das wichtigste ist, wer ist in dieser Klasse, damit wir wissen, wie wir die vorhandenen Talente benutzen können.”
Da haben die sofort vorgeschlagen: “Wir machen ein Register, wo jeder sagt, wie er heißt, wo er wohnt, welche Telefonnummer er hat, was er kann, was er lernen möchte und was seine Hobbys sind und sein Interesse ist.”

Haben alle brav geschrieben. Dann haben wir einen Katalog gehabt und da sind also verschiedene Interessen, et cetera, et cetera angeführt. Einige von diesen jungen Menschen haben das natürlich in dem Leben gehört, dass sie sagen sollen, wofür sie sich interessieren! Oder nie geglaubt, dass mal jemand fragt, was einen interesiert, damit jemand zuhört. Aber natürlich, kaum haben die das gemacht, haben wir einen Index daraus, eine Heuristik daraus, herausgegeben, so dass Leute mit gleichen Interessen sich finden.

Also ich lese Ihnen mal ein paar vor: Zum Beispiel unter den Bags (Bags ist das, wofür man sich interessiert) da gibt eine junge,.. eine junge Dame schreibt: “My dog and me.” Mein Hund und ich interessieren mich.
Hier der schreibt – David Crosley[???], übrigens einer der führenden Computeringenieure in Amerika […]: “No skills, all left thumbs.” Keine Geschicklichkeit, ich habe nur linke Daumen.
Einer sagte – Was interessiert ihn? – eine Dame: “Clothing, colors, pictures, anything!”
Eine junge Dame hat das natürlich auch nicht sehr ernst gefunden und die schreibt: “Wanted to be laid all times.” Sie wissen, was das bedeutet, ja?

Na, anyway, wir haben das ernst genommen. Ich nehme das Mädchen ernst. Das kam da im Directory vor, ja, bei Susan Soundso: “I want to be laid all times”, ja. Okay. Wunderbar. Jetzt haben wir “Ich will gern das..”, “Ich würd’ gern das..” Leute, die sich das wünschen und Leute, die sich das wünschen. Die ganzen jungen Menschen: “Wir werden ernst genommmen?”
“Natürlich, was denn sonst? Der beste Spaß ist doch, wenn man dich ernst nimmt!”

Okay, also. Die Atmosphäre hat sich völlig verändert. Gruppen haben sich gebildet, gemäß ähnlicher Interessen. Die Studenten, die diese Liste gebaut haben, haben auch einen Index gemacht, so dass man nachschauen konnte: Wer interessiert sich für Fotografie? – Meyer, Müller, Schmitt, usw.
Wer interessiert sich für Schreiben? – Soundso, Soundso, Soundso.
Dieser Katalog hat initiiert, einen Start gegeben, für die Möglichkeit, dass sich Gruppen bilden konnten. Und tatsächlich, innerhalb von einigen Monaten ist dieser große “Whole Earth …” – nein – “Whole University Katalog” da gewesen, wo die Studenten über die Universität reflektiert haben

In dem Artikel – so interessante Sachen – in diesem Buch habe ich alles publiziert, was die gebracht haben. Es wurde gedruckt in der Rotary Press im Nachbardorf. Das hat eine Rotary Press gehabt, sodass ein riesiges Buch für fast nichts mechanisch hergestellt werden konnte. Und die Studenten haben dann, wie das raus gekommen ist, mit einer solchen Neugierde erwartet! Wie wird dieses Buch ausschauen? Faszinierendes Lehrgeld. Sich schon so gefreut, auf einmal kamen die Stöße: 300 oder 400 Whole University Kataloge.
“Das ist alles? So schaut das aus, wenn wir eine solche Sache produzieren? Das ist ja – das hätt’ ich nicht gedacht! Ich glaubte, das wird ein Meisterwerk!”
Das war kein Meisterwerk. Natürlich war es kein Meisterwerk – es war ein Lernmittel! Die haben gesehen: Wie schaut etwas aus, wenn ich das in meiner Privatwelt tue? Wie schaut es aus, wenn es in die Öffentlichkeit kommt?

Ich möchte noch dazu sagen, dass zum Beispiel, in den vorherigen Kursen haben wir das Problem der Notengebung versucht zu behandeln. Und da habe ich die folgende Studie gemacht: Sowohl der Herbert Bröhn war zu beschäftigt, da 50-60 Arbeiten durchzulesen, [als auch] ich war absolut überbeschäftigt und konnte das nicht machen. Da haben wir folgendes gemacht: Jeder Aufsatz, der geschrieben werden wird, darf nicht länger wie 2 Seiten sein! Dann haben wir die 2 Seiten von Schüler X, Y, Z,… genommen, haben sie reproduziert, sodass wir ein kleines Büchlein machen konnten, wo jeder Student seinen Beitrag in diesem Büchlein drinnen gehabt hat. Diese Bücher haben wir den Studenten alle wieder zurück gegeben und haben sie gebeten, alle Arbeiten, die in diesem kleinen Büchlein waren, zu beurteilen, eine Note dazu zu schreiben.

Jetzt haben die Studenten sich selbst beurteilt! Und das schöne, das wir dann bei dem Studium gefunden haben, ist, dass zum Beispiel die 50 Studenten – viele Studenten – das Paper 22 beurteilen mussten – inklusive 22, ja – haben fast die selbe Note gegeben. Also wir haben die Variation ausgerechnet, die Note hat, die auf eine bestimmte Arbeit geht. Und das geht wirklich geht so .. whip .. und so hinunter. Also das Gefühl, welche Qualität das Papier hat, wird von allen geteilt. Schon für uns war das sehr interessant! Der Student, der selber das Papier geschrieben hat, war meistens der Mann, der am kritischsten seine Arbeit beurteilt hat. Das war also für uns unglaublich wichtig, eine solche Sache zu sehen. Wenn der Student eingeladen wird, sich oder andere zu beurteilen, so sind die Beurteilungen erstaunlich konsistent.

Okay, also der Whole University Katalog ist herausgekommen und da waren also ganz interesante Komponenten drinnen. Zum Beispiel, ein Student hatte einen Artikel geschrieben, wie man Marihuana wächst im Garten, die Blätter abschneidet, röstet und Marihuana-Zigaretten baut. Das kam in einen Katalog, der hieß Whole University Katalog und der erste, dem ich das gab, das war: Ich hab dem Rektor der Universität das gegeben. Damit er weiß, was in seiner Schule vorgeht. “Die Schule neu erfinden!” Denn er muss ja auch wissen, was los ist, nicht?

Dem ist natürlich alles blass und grün geworden. Und da – wirklich – nach zwei Wochen hat die Legislatur vom Staat von Illinois mich [???] vorgeladen, ich solle Rechtfertigung über meine Papiere, über meine Arbeiten geben. Und ich bin natürlich mit Vergnügen hingegangen, denn ich kann ihnen ja.. – Viele kennen ja sicher Ringelnatz.

Erinnern Sie sich an den amüsanten Schreiber Ringelnatz? Der hat ein Buch geschrieben, das hieß “das Kinder-Verwirr-Buch”. Und im Kinder-Verwirr-Buch sind sehr viele lustige Kinder-Verwirr-Stories geschrieben worden. Eine zum Beispiel: “Die Kunst, im Wasser Bläschen zu machen”. Ein anderer Artikel war, wie man Teile aus einem Blatt Papier ausschneiden kann, und wenn man die richtigen Teile 1-zu-1, 2-zu-2, 3-zu-3, 4-zu-4, … zusammen klebt, kriegt man eine wunderschöne Windmühle, die sich sogar im Wind dreht!

Und wenn Sie das näher anschauen, gibt’s keine 1 zweimal. Es gibt keine 2 zweimal. Man kann nichts mit einander zusammen kleben! Und wenn man sie zusammenkleben könnte, dann würde es keine Windmühle ergeben. – Also dieser junge Mann hat diese Marihuana-Zigaretten-Fabrik so geschrieben, wie Ringelnatz sein Kinder-Verwirr-Buch geschrieben hat, sodass, wenn Sie den Vorschriften gefolgt wären, dann hätten Sie nicht eine Marihuana-Zigarette haben können! Aber natürlich, die Legislatoren vom Vereinsstaat von Illinois wussten weder, wie man einen Marihuana herrichtet, noch was man damit machen würde! Und haben gesagt: “Der Foerster unterrichtet die Studenten, wie man Marihuana-Zigaretten herstellt!”

Nun bin ich mit größten Vergnügen da hin gegangen, hab mir gesagt: “Na werden wir sehen, wie lange die ein ernstes Gesicht machen können, bevor sie zu lachen anfangen müssen!” Na, anyway, ich bin nicht aus der Universität hinausgeschmissen worden, obwohl es ziemlich an der Grenze war. Das sind die Gefahren, wenn Sie eine Schule neu erfinden wollen, ja?

Okay. Die Tradition meiner Gruppe, Publikationen innerhalb der Klasse zu machen, hat sich irgendwie als fabelhaft bewehrt und ich habe mehrere Sachen publiziert und ich wurde schließlich und endlich stimuliert von einer sehr lieben Kollegin und Freundin von mir, der Margaret Mead. Die hat gesagt: “Heinz, du müsstest der Mensch sein, der ein Buch über Kybernetik schreibt!” – Und ich schreibe keine Bücher, leider, aber wie ich eine Klasse gehabt hab, die ungefähr aus 60 jungen Menschen bestand, hab ich gesagt: “Passt mal auf! Wir wollen jetzt DAS wesentliche Buch über Kybernetik schreiben! Und wir wollen die Klasse so laufen lassen, dass sie kybernetisch betrieben wird!”

Da haben wir dieses Buch “Kybernetik der Kybernetik” oder “Cybernetics of Cybernetics” genannt. Dieses Buch ist im Jahre 1972 herausgekommen, 500 Seiten, mit den wesentlichen Bibliographien der großen Kybernetiker: Norbert Wiener, Warren McCullock, von Neuman, et cetera, et cetera. Mit Formen, Tabellen, Ausdrücken, die sie in keinem Textbuch, in keinem Lehrbuch finden, die Sie nur mühsamst aus Universitätsbibliotheken herausfischen können. Alles in dem Buch “Kybernetik der Kybernetik”, von Studenten und Technikstudenten gemacht, und die meisten waren Fresh-men, also junge Burschen, junge Mädl, die gerade von der Mittelschule in die Universität gekommen sind.

Dieses Buch lag / es war – wir haben nur 200 Exemplare drucken können – ich hab nur das Extrapapier bei mir liegenlassen gehabt, das haben wir gar nicht gebraucht. Das ist also da 20 Jahre da herumgelegen bis vor etwa einem Jahr. Da war ich bei einer Konferenz, mit einem jungen Mann gesessen am Tisch, da hab ich gefragt: “Was machen Sie?”
Da hat er gesagt: “Sie werden’s nicht glauben, ich publiziere unpublishable Books!”
“Was!?”, sag’ ich.
“We publish unpublishable books!”
“Ja.. äh.. Von was leben Sie?”
“Davon!”
“Hmm! Interessant! – Übrigens, wenn Sie wirklich, ein unpublishable Book publizieren wollen, dann kommen Sie zu mir! Ich kann Ihnen eins zeigen.”
Seine Ohren wurden nun spitz und wir kommen bei mir vorbei – war nicht weit, wo wir gewohnt haben. – Kommen, gebe ich ihm dieses Buch, 500 Seiten, “Cybernetics of Cybernetics”.
“Das! Muss ich haben! Also, das! Muss ich haben!”
Ich sage: “Nuja, ich kann Ihnen das leider nicht geben! Das ist das einzige Exemplar.”
“Neinein! Das müssen.. Das müssen wir wieder publizieren!”
“Na also gut”, ich hab ihm geglaubt. Ich hab ihm mein einziges Exemplar gegeben. Es ist verschwunden.

Ein halbes Jahr später ist gekommen: “Das Buch ist fertig! Wo können wir es aufhängen [???]?” Da war zufällig die Amerikanische Gesellschaft für Kybernetik, hat ihre Tagung gehabt. Da sind wir gekommen mit 500 Exemplaren und die sind an dem selben Tag verschwunden! Ich dachte, als ein educational Experiment, also ein pädagogisches Experiment, wenn ich ihnen diese paar Sachen, die davon publiziert worden sind, mitbringe, zum anschauen – das “Cybernetics of Cybernetics” gab es sogar zum Kaufen! Lass’ ich es draußen liegen, und sie können sich das anschauen und sich selbst davon überzeugen, was ihnen an einem solchen Projekt gefällt.

Die jungen Menschen, die aus diesem Kurs “Cybernetics of Cybernetics” heraus gekommen sind, wann immer die mich treffen, sagen sie: “Dieses Jahr war das größte Erlebnis in meinem Leben, denn plötzlich bin ich drauf gekommen, dass ich selber was machen kann, dass ich selber etwas kreieren kann, dass ich selber etwas neues auf den Tisch stellen kann, wo ich nicht etwas wiederkäuen muss, das ich nicht verstanden hab – und auch der Lehrer nicht verstanden hat!”

Wollte Ihnen also nur kurz diesen Bericht geben, denn ich dachte, meine Verantwortung ist so, dass ich Sie wissen lassen muss, was als ein erfolgreiches Experiment gemacht worden ist.

Ich möchte zum Abschluss eine kleine Methapher für das, was ich gerade erzählt habe, machen. Und zwar gab es diesen großen chinesischen Taoisten, ZhuangZi. Und dieser ZhuangZi ist sehr gerne gereist. Und bei einer Gelegenheit kam er in ein einsames Tal, in eine wunderschöne Herberge. Dort übernachtete er und blieb einige Tage dort. Es hatte ihm so gut gefallen und hatte von anderen Gästen gehört: “Der Wirt hat zwei Beischläferinnen. Die eine ist schön und die andere ist hässlich, aber er liebt die hässliche und nicht die schöne.” Sehr interessant. Er trifft einmal den Wirt und sagt: “Ja, ich habe gehört, Sie haben zwei Beischläferinnen, eine ist schön, die andere ist hässlich, aber Sie lieben die hässliche und nicht die schöne. Wie kommt das?”
“Och!”, sagt der Wirt, “Ganz einfach! Die Schöne weiß von ihrer Schönheit und man sieht ihre Schönheit nicht. Die Hässliche weiß von ihrer Hässlichkeit und man sieht ihre Hässlichkeit nicht.”

Sie können das vielleicht übertragen auf Wissend und Unwissend. Danke vielmals für Ihre Aufmerksamkeit!

Diskussion

Siehe Twitter-Thread

On the social consequences of toots and tweets.

Last week I decided to switch from Twitter to Mastodon. If you don’t know Mastodon, I recommend reading the article “What I wish I knew before joining Mastodon” by Qina Liu (and all its references).

I guess, most of those who decided to switch, did so because of distrust in Twitter’s privacy or because they feel that they’re tolerated more by the Mastodon community. At first glance, the largest groups are artists, gender-activists, sex-workers, anti-consumerists and technology enthousiasts.

Mastodon creates stronger filter bubbles than Twitter. There is no such thing as a global timeline. To follow the discourse, you have to follow each member one by one. If a post gets popular, you won’t notice, unless you followed someone who reposts it. It requires not only her nickname to follow someone but also her server name. There is plenty of servers that themselves construct filter bubbles through presenting only “local” timelines.

It’s hard to follow public discussions as you initially only see original posts in your Mastodon client. (I guess that lack of analysis and display is for scalability and traffic reasons.) Even if you follow someone, their answers are not visible in your timeline. You need to browse to their profile page to see their replies. (General shadow-ban?) Hence, you can almost be sure: there’s no audience in debates on Mastodon.

The (non-)publicity of timelines does not protect from data abuse. It’s easily possible for Mastodon hosts and users, to plug in some data logger to sell keyword counts to third parties. Users have to trust both, just as at Twitter. Blocking is also possible. In contrast to Twitter, users can config their access permissions towards other users to increase privacy. Mastodon’s like-analogues are private between liker and likee while the count is public.

It’s easy to program bots for Mastodon and many hosts tolerate partially programmed user accounts. There is botsin.space which hosts only bots. My impression is, that openness, diversity and freedom are the big values of the current Mastodon community. However, closed groups of surpressionists are able to setup a Mastodon instance, too, optionally invisible. That means, Mastodon supports a further granularization of society.

In other words: If you want to feel comfier in Social Media, then switch to Mastodon and risk isolation. If you (also) want to be in to contact with disagreeable opinions and want to have your opinion questioned, then rather stay on Twitter and hope for not being blocked.

Be on both if you’re (really!) interested in online sociology.

Auch Dinge sind Frauen

Sind Namen für Erfindungen im Allgemeinen meist männlich? Wie könnte man das überprüfen und warum sollte man das ändern?

Anhand der Titel von 40 Youtube-Videos der ProSieben-Sendung “Das Ding Des Jahres” habe ich eine Zählung durchgeführt.

Obwohl jedem Erfinderteam offen steht, ob sein erfundener Gegenstand ein Femininum, Maskulinum oder Neutrum bekommen soll, bekam die überwiegende Mehrheit einen männlichen Namen. Dies weißt auf das Potential einer allgemeinen Genus-Quote für Benennungen aller Art hin, um die Gleichbehandlung zu fördern.

Einleitung

Wie bin ich auf die Idee gekommen, Erfindungen zu zählen? Die Nachrichten sprachen davon, dass Frauen noch immer weniger Gehalt ausgezahlt wird als Männern. Vielleicht hängt das mit der Leistung zusammen, die während der Gehaltsgespräche mit Frauen assoziiert wird. Wer oder was erbringt denn Leistung?

Mit Maschinen assoziieren wir Leistung. Die Industrialisierung brachte Maschinen hervor, die den Menschen Arbeit abnahmen. Diese Leistung kann nicht mehr von Menschen geleistet werden. Das heißt, viele Maschinen leisten derzeit so viel wie all die Menschen vor ihnen geleistet haben, die wegen ihnen ihren Posten verlassen mussten – oder durften. Denn auch Haushaltsgeräte wie die Waschmaschine, der Staubsauger oder das Bügeleisen sind ebenfalls daran beteiligt. Die SI-Einheit für Leistung und Energie ist übrigens nach zwei männlichen Britten benannt: James Watt (1736 1819) bzw. James Prescott Joule (1818 – 1889). Haben Benennungen wie diese eine Rückwirkung auf unsere Assoziationen mit Leistung?

Der Konstruktivismus geht davon aus, dass Wissen und Assoziationen iterativ, ausgehend vom Fötus bis zum Tod, angereichert wird. Gelegenheit macht Erfahrung, gestärkte Erfahrung macht Wissen. Erfahrungen machen wir bewusst und ohne dass wir es merken. Vieles lernen wir mit Absicht. Wenn wir etwas lernen wollen oder müssen, dann prügeln wir uns Wissen hinein indem wir uns wiederholt in erfahrungsbringende Prüfungssituationen wie das Vokabellernen mit Karteikarten bringen.

Unbewusst sind viele Erfahrungen, die wir machen, weil wir ausweglosen Situationen ausgesetzt werden. Der (gesunde) Fötus im Bauch (einer gesunden Mutter) hat keine andere Wahl, als die Temperatur, den Herzschlag und die Stimme seiner Mutter kennen zu lernen. Gesichtsausdrücke interpretieren wir mittels Assoziationen, die wir gezwungenermaßen erfahren, sobald sich jemand mit uns unterhält. Doch die Bewusstheit ist nur eine Eigenschaft von Assoziationen.

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© Martin Perscheid

Assoziationen sind gerichtet. Wird man also bspw. dazu aufgefordert, ein nachdenkliches Gesicht zu beschreiben, gerät man ins Grübeln und sucht wage nach eindeutigen Beschreibungen. Es ist leichter ein nachdenkliches Gesicht zu erkennen, als es zu beschreiben. Darauf, dass Stirnfalten für Nachdenklichkeit typisch sind, kommt man allenfalls leichter, wenn man schon mal von nachdenklichen Menschen in Romanen gelesen hat; einem also diese Assoziation schon mal fertig aufgetischt wurde. Doch der Zustand des Grübelns ist der Selbe, wie wenn jemand einen Namen für sein Kind sucht, oder einen Produkttitel für seine Erfindung. Was passiert bei diesem Grübeln?

Wer sein Kind benennt, sucht nach positiven Assoziationen, denn negative würden dazu führen, dass das Kind künftig in der Schule gehänselt wird, oder dass Eltern befürchten, ihr Kind schlecht zu behandeln. Namen haben oft eine assoziierte Bedeutung oder es gibt Menschen in der Vergangenheit der Eltern, eine bestimmte Rolle spielten. Oft kommt es zu Entscheidungen aus dem Bauch heraus (unbewusste Assoziationen). Das dafür benötigte Geschlecht wird bei einem Neugeborenen von einem Arzt festgestellt. Bei Erfindungen stellt selbst das Geschlecht eine Herausforderung unbewusster Assoziationen dar.

Die Computer-isierung und Automat-isierung nehmen derzeit zu. Ein Computer stattet den Menschen mit einer spürbaren Macht aus, Zahlen zu beherrschen, Informationen zu verarbeiten, Arbeitsmaschinen zu kontrollieren. Gute Arbeit! (Die künstliche Intelligenz ist allerdings in der Lage Gesichtserkennung zu betreiben und damit Datenschutz zu brechen. Schlechte Leistung!) Folgende Sätze könnten sowohl einen Computerchip, als auch einen menschlichen OP-Arzt betreffen:

Der ist aber schnell! Der kann ja viele Operationen!”

Werden Subjektive (wie üblich aus Sparsamkeit) weggelassen, so dass nur die Artikel übrig bleiben, so wird gänzlich unklar, ob das Subjekt eine Person oder ein Ding ist. Unterscheidet eine Sprache syntaktisch kaum zwischen Menschen und Dingen, können also Objekte personalisiert und umgekehrt Menschen objektiviert werden. Dinge werden personifiziert, sei es zum Ausdruck der Dankbarkeit oder des Verteufelns. Hingegen werden Menschen objektiviert, wenn sie funktionieren sollen oder für sie Verwendungen gesucht werden. Das Geschlecht spielt also bei Dingen sprachlich die selbe Rolle wie bei Menschen, jedoch wird eine Frauenquote nur für erwachsene Menschen “in Führungsetagen” diskutiert. Man könnte zusätzlich eine Quote anstreben, nach der neu entstehende Begriffe den aktuell selteneren Genus² bekommen sollen.

Wieso kommt Herr Kabakyer ausgerechnet auf “der Gerät” für seine innovative Erfindung?

In der deutschen Sprache befinden sich mehr weibliche Genera als männliche.² Jedoch wurden weder die Benutzungshäufigkeit, noch ihre Konnotationen vom Duden statistisch ausgewertet. Substantivierungen (-ung, -keit) verlangen Feminina, sind umständlicher und somit nicht griffig genug für Produkte. Sie kommen jedoch häufig im Duden vor.

© Duden.de

Wann entstehen denn neue Begriffe?

  • in Fachgebieten, die den Meisten verborgen bleiben: Programmieren, Biologie, …
  • bei neuen geistigen Schöpfungen: Romanfiguren, Götter, …
  • bei sämtlichen Benennungen: Marken, Produkte, Projekte^ und Erfindungen

Methode

Aktuell gibt es eine zum Thema Erfindungen eine passende, neue Sendung: “Das Ding des Jahres” auf Prosieben*, von der auf YouTube einige Videos herum liegen. Ich habe kurzerhand alle Descriptions der fast 40 DDDJ-Videos mit jeweils einer Erfindung durchgezählt. Dabei habe ich drei Aspekte gesammelt:

  • das Geschlecht der Teilnehmenden des jeweiligen Erfinderteams
  • das Geschlecht der Erfindung, wenn sie dem Publikum erklärt wird (Bezeichnung)
  • das Geschlecht der Benennung

Ergebnis

Folgendes Diagramm zeigt die Ergebnisse:

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Geschlechterverteilung bei Das Ding Des Jahres (Pro7) (Stand 2017-03-06): Teilnehmeranzahl, Geschlechterverteilung der ErfinderInnen, Genus der Beschreibungen von den Erfindungen und Genus der Benennung der Erfindungen durch die ErfinderInnen (v.l.n.r.)

Es gibt wesentlich mehr männliche als weibliche Erfinder/-innen unter den Teilnehmern (27 Männer, 6 Frauen, 2 Männerpärchen, 1 Männerträrchen, 4 gemischte Pärchen). 22 der Erfindungen bekamen von ihren Erfindern einen maskulinen Genus, 9 einen femininen, 6 einen neutralen. 3 mal war der Genus unklar. In den der Videobeschreibung wurden die Erfindungen mit knappen, allgemein verständlichen Erklärungen versehen. Diese Kurzbeschreibungen hatten in 13 Fällen einen anderen Genus als der Name den Erfinder ihren Schöpfungen gaben: 6 mal wählten die Erfinder abweichend ein Maskulinum, 1 mal ein Femininum sowie 3 mal ein Neutrum. In 4 Fällen wurde aus dem femininen Begriff ein maskuliner, in umgekehrte Richtung aus einem Femininum nur 1 mal ein Maskulinum.³

Diskussion

Obwohl 14 Gegenstände mit femininen Substantiven beschrieben wurden, bekamen nur 9 einen femininen Namen. Bis auf eine Ausnahme stammen alle femininen Benennungen von femininen Beschreibungen.

Offenbar sind Frauen wie Männer gleichermaßen daran beteiligt, den Gegenständen eher männliche Namen zu geben. Es liegt nahe, dass überwiegend Maskulina in den Umlauf kommen, weil Männlichkeit stärker mit Leistung assoziiert wird, als Weiblichkeit.

Die sehr häufige, feminine Endung -ung substantiviert Verben (=Tätigkeitswort, Arbeit). Deshalb treten auch bei den Beschreibungen der Erfindungen in DDDJ so häufig Feminina auf. Aufgrund der zusätzlichen Silbe setzen sich Substantivierungen jedoch nicht als griffige Namen durch.

Ausblick

Meine Zählung zeigt, dass zu wenige Erfindungen ein Femininum erhalten, um Assozitiationen von Frauen und Leistung zu transportieren. Ein Fakt, den ich als einen Grund für die Diskriminierung von Frauen bei Lohnverhandlungen hergeleitet habe. Um die Ziele der Gleichberechtigung durchzusetzen, sollten mehr (taugliche) Erfindungen feminine Genera² bekommen. Ich schlage eine Genus-Quote vor, die unverletzbaren Objekten neue Begriffe so zuordnet, sodass sie gerechtere, neutralere Geschlechter-Assoziationen aufbauen. Verantwortliche Institution könnte das Patent- und Markenamt sein. ■

Fußnoten

²) Genus ist laut Duden das grammatische Geschlecht. Die Mehrzahl (Plural) davon ist Genera. Es ist mit dem englischen Genre verwandt. Siehe auch die Statistik des Duden.
*) Ich finde, ProSieben ist seit ich meine Teenagerintelligenz überwunden habe, einer der unerträglichsten Fernsehsender.
^) Bauprojekte scheinen vorbildlich zu sein: Der Berliner Flughafen, bzw. der BER. Die Staatsoper Hamburg. — Stuttgart 21 ohne Genus.
³) Vollständige Tabelle: Erfindungsgenus – counts 1.0, Erfindungsgenus – counts 1.1

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Edit: (nochmal) freundlicher geschrieben, ohne Klischees zu wiederholen; Senkey-Diagramm (via http://sankeymatic.com/build/), Navigierbare Fußnoten

A podcast manager for Android

I hope you know about podcasts, because those are the newspaper of audio books. If you never listened to a podcast, please try it now. There are tons of podcasts for any topic you like. I currently cannot stop listening to a total of 53 subscriptions! Some of them release new episodes every day, some weekly, some monthly. Episodes can be few minutes long or hours, and above all really interesting and entertaining! It’s a great way to spend your hands-free time during travels or house hold activities.

If you are into podcasts, you may enjoy AntennaPod as much as I do. It’s much like a highly customized radio. It automatically downloads the newest podcasts to my Android phone PDA when I am in my Wi-Fi at home. This saves huge costly mobile traffic on travels; and you don’t need to worry about actively refreshing the playlist because that job is taken by AntennaPod’s automation.

Spotify also supports podcasts. However, you don’t have as many features:

  • Stop playback and resume at that exact point some time later, e.g. when you felt like listening to music on Spotify between the episodes or because you got interrupted by a nice passenger! On Spotify, I usually fail to return to the correct chapter of the audio book I listened to.
  • Speedup playback by factor 1.3!
  • Manage your subscriptions in one central place (e.g. gpodder.net), AntennaPod will care about the rest.
  • Have a mix of all your subscriptions in one playlist.
  • Quickly skip back 10 seconds to when you missed something.
  • Automatically delete episodes from your phone to keep your storage clean.

You can customize most of those features. For example, you can increase the speedup up to 4 (quadruple speed) or decrease the factor down to 0.5 (slowdown to half). Or if 10 seconds are not enough, you can configure a rewind between 5 and 60 seconds. The coders even thought of your favorite episodes: You can disable that AntennaPod auto-deletes them. If you really need to, you can also stream episodes without download, e.g. when your storage is stuffed with those bloody videos your parents keep sending to you because they are so much fun.

The interface is very intuitive. If you just want to listen to some podcasts you can start right away. If you want to customize more, just go ahead. AntennaPod is open-source, free for download and actively maintained. There’s no other open-sourced podcast manager advanced as much. It’s probably my favorite smartphone app.